FEI Impfmodul ab 2026 obligatorisch: Was Käufer und Verkäufer von Sportpferden beachten müssen
Von der SportHorses.de-Redaktion
Seit dem 1. Januar 2026 ist das FEI Impfmodul in der FEI HorseApp für jedes Pferd, das an internationalen FEI-Wettbewerben teilnimmt, verpflichtend. Fünf Monate später zeigt sich im Sportpferdehandel dasselbe Muster: Der Pass stimmt, der Tierarzt hat ordnungsgemäß geimpft, aber die digitale Registrierung in der FEI HorseApp ist nur teilweise (oder gar nicht) ausgefüllt. Für Käufer und Verkäufer von Sportpferden ist das kein Detail mehr – es entscheidet darüber, ob das Pferd nächsten Monat überhaupt an einem internationalen Turnier teilnehmen darf.
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, sondern eine praktische Checkliste, basierend auf den aktuellen FEI-, KNHS- und belgischen Veröffentlichungen (KNHS Nieuws, EquNews, Horses.nl), mit konkreten Schritten für Käufer und Verkäufer von Sportpferden.
Was genau ist das FEI Impfmodul?
Das FEI Impfmodul ist ein Bestandteil der FEI HorseApp: der digitalen Akten-App, die die FEI zur Erfassung von Pferdeidentifikation, Besitzverhältnissen und Gesundheitsregistrierung verwendet. Das Modul erfasst, wann ein Pferd gegen Pferdeinfluenza geimpft wurde, mit welchem Impfstoff, welcher Chargennummer und von welchem Tierarzt.
Bis Ende 2025 war der FEI-Pass in Papierform – mit den Aufklebern und der Unterschrift des Tierarztes – maßgeblich. Seit dem 1. Januar 2026 ist das für FEI-Wettbewerbe nicht mehr ausreichend. Ohne vollständige digitale Registrierung im Modul kommt das Pferd bei der Wettkampfkontrolle schlichtweg nicht durch.
Kurze Zusammenfassung: Der FEI-Pass bleibt bestehen, aber das digitale Modul ist ab 2026 maßgeblich für den Zugang zu Wettbewerben.
Was hat sich seit dem 1. Januar 2026 wirklich geändert?
Die folgenden drei Dinge sind jetzt anders als vor 2026:
- Das Modul ist verpflichtend statt optional. 2025 war das Übergangsjahr; bis zum 31. Dezember 2025 war eine korrekt ausgefüllte papierbasierte Impfhistorie noch akzeptabel. Ab 2026 wird das Modul streng durchgesetzt.
- Die Reihenfolge der Eingabe ist festgelegt. Der Eigentümer (oder Pfleger/Trainer/Reiter) muss zuerst die bestehende Impfhistorie eingeben. Erst danach kann der Tierarzt eine neue Impfung im Modul hinzufügen.
- Tierärzte müssen sich selbst in der App anmelden. Der impfende Tierarzt notiert am selben Tag Datum, Namen des Impfstoffs, die Chargennummer und seine eigene Identität. Tierärzte ohne bestehende FEI-Registrierung müssen ein „vaccination-veterinarian“-Konto erstellen und auf eine E-Mail-Bestätigung warten, bevor sie Daten hinzufügen können.
In der Praxis bedeutet dies, dass eine Impfung erst dann wirklich zählt, wenn sowohl Eigentümer als auch Tierarzt ihren Teil erledigt haben – und das Timing ist entscheidend. Eine Impfung, die erst Tage später eingegeben wird, ist ein Warnsignal bei der Wettkampfkontrolle.
Für Sportpferdekäufer: So überprüfen Sie die FEI-Registrierung vor dem Kauf
Wenn Sie ein Sportpferd kaufen, das (auf Dauer) an FEI-Wettbewerben teilnehmen soll, ist die FEI HorseApp genauso wichtig wie der Untersuchungsbericht. Gehen Sie diese Checkliste durch, bevor der Kaufvertrag abgeschlossen wird.
1. Fordern Sie Zugang zum FEI Horse Profile an
Bitten Sie den Verkäufer, Ihnen das FEI Horse Profile des Pferdes zu zeigen – vorzugsweise live in seiner eigenen FEI HorseApp, nicht über einen Screenshot. Achten Sie auf:
- Stimmt die FEI ID mit der FEI-Passnummer überein?
- Ist die Mikrochipnummer korrekt im Profil hinterlegt und ist es dieselbe Nummer wie im Zuchtbuchpass?
- Ist der aktuelle Eigentümer/PR (Person Responsible) im Profil auch die Person, mit der Sie verhandeln?
Wenn eine dieser drei Angaben nicht übereinstimmt, klären Sie dies zuerst – nicht erst nach dem Kauf.
2. Überprüfen Sie die Impfhistorie auf Vollständigkeit
Öffnen Sie das Impfmodul und prüfen Sie:
- Ist eine Grundimmunisierung gegen Influenza sichtbar (erste, zweite und dritte Grundimpfung innerhalb des FEI-Schemas)?
- Wurde danach mindestens alle 6 Monate ein Booster registriert? (Die FEI verlangt halbjährliche Booster, nicht jährliche wie bei KNHS-only Pferden).
- Sind bei jedem Eintrag eine Chargennummer und der Tierarzt eingetragen? Leere Chargenfelder oder „unknown vet“ machen den Eintrag praktisch wertlos.
- Ist der letzte Booster weniger als 6 Monate alt zum geplanten ersten Wettkampftag nach dem Kauf?
3. Verlangen Sie, dass fehlende Historie vor der Übergabe ergänzt wird
Fehlt Historie oder ist ein Tierarzt im Kopf des Vorbesitzers ohne FEI-Konto, dann halten Sie im Kaufvertrag fest, dass:
- der Verkäufer vor Übergabe die Historie vollständig in der FEI HorseApp eingibt;
- der Verkäufer den Tierarzt bestätigen lässt, dass die bestehenden Einträge über ein gültiges FEI- oder „vaccination-veterinarian“-Konto eingegeben wurden;
- falls dies nicht gelingt, eine Preisanpassung oder auflösende Bedingung gilt.
4. Planen Sie die Eigentumsübertragung in der App
Am Tag der Übergabe muss die Eigentumsübertragung (und die Änderung der Person Responsible) in der FEI-Verwaltung eingeleitet werden. Tun Sie dies nicht „später“ – ohne Eigentumsübertragung können Sie als neuer Eigentümer keine Impfungen unter Ihrem eigenen Konto hinzufügen lassen.
Für Sportpferdeverkäufer: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Papiere und Ihre App stimmen
Eine vollständige FEI HorseApp-Registrierung ist 2026 zu einem Verkaufsargument geworden. Für Verkäufer bedeutet das Folgendes.
Machen Sie Ihr FEI Horse Profile „verkaufsbereit“
- Überprüfen Sie, dass die Impfhistorie mindestens 5 Jahre zurück ordentlich eingegeben ist, nicht nur der letzte Booster.
- Stellen Sie sicher, dass alle Einträge Chargennummer und Impfstoffnamen enthalten – keine einzelnen „Impfung 2024“ ohne Details.
- Sorgen Sie dafür, dass der letzte Booster frisch genug ist: weniger als 6 Monate alt. Ein Pferd mit einer abgelaufenen FEI-Impfperiode ist beim Käufer ein preisreduzierendes Argument wert.
Zeigen Sie, dass das Pferd „wettkampftauglich“ ist
In Ihrer Anzeige und in der Korrespondenz mit ernsthaften Käufern hilft es, explizit zu erwähnen:
- „FEI Horse Profile komplett, letzter Booster [Datum]“
- „Impfmodul vollständig ausgefüllt von [Name Tierarzt, FEI-registriert]“
- „Eigentumsübertragung innerhalb von 5 Werktagen nach Kauf in der FEI HorseApp“
Das klingt klein, aber es sind genau die Worte, mit denen ausländische Käufer – besonders aus Ländern, in denen die Papierverwaltung traditionell weniger streng war – eher zugreifen.
Verhindern Sie, dass das Pferd zwischen zwei Eigentümern „stecken bleibt“
Die größte Falle beim Verkauf ist, dass der alte Eigentümer aus der App verschwindet, bevor der neue Eigentümer hinzugefügt wurde. In dieser Lücke kann niemand Impfungen hinzufügen. Arbeiten Sie daher mit Ihrem Tierarzt und (eventuell) Verbandsvertreter zusammen, um die Eigentumsübertragung und den nächsten Booster in derselben Woche zu planen.
Schritt für Schritt: Fehlende Historie nachträglich hinzufügen
Stoßen Sie auf ein unvollständiges Profil – zum Beispiel, weil das Pferd 2024 oder 2025 zwar geimpft wurde, dies aber nie in die App eingetragen wurde? Dies ist die Reihenfolge, die in der Praxis funktioniert:
- Sammeln Sie die originalen papierbasierten Impfregistrierungen (Pass und/oder Tierarztbrief) mit Datum, Impfstoffnamen und Chargennummer.
- Bitten Sie den Eigentümer (oder sich selbst, wenn Sie bereits PR sind), diese Historie zuerst in die FEI HorseApp einzugeben. Ohne diese Eingabe kann der Tierarzt nichts hinzufügen.
- Bitten Sie den ursprünglich impfenden Tierarzt, die Einträge in seinem FEI-Konto zu bestätigen. Hat er keines, erstellt er ein „vaccination-veterinarian“-Konto über die FEI HorseApp und wartet auf die E-Mail-Bestätigung.
- Bewahren Sie in Ihrem eigenen Dossier einen Screenshot des vollständigen FEI-Profils auf – nützlich bei eventuellen Abweichungen bei der Wettkampfkontrolle und beim Weiterverkauf.
Tipp: Führen Sie diese Aufräumaktion lieber in Ruhe im Stall durch als in der Woche vor einem internationalen Wettbewerb. Der FEI HorseApp-Helpdesk benötigt manchmal mehrere Werktage, um Tierarztkonten zu aktivieren.
Nicht-FEI Sportpferde: Gilt das auch für mich?
Kurzversion: Nein, nicht direkt. Wenn Ihr Pferd nur an KNHS-Wettbewerben in den Niederlanden teilnimmt und keinen FEI-Pass hat, sind Sie an die KNHS-Impfregeln gebunden (jährlicher Booster, plus nach oben skaliert pro Disziplin). Das FEI Impfmodul ist dann technisch nicht Ihr Problem.
Aber zwei wichtige Punkte:
- Viele junge Sportpferde erhalten erst später einen FEI-Pass. Wer jetzt alles ordentlich verwaltet, verhindert, dass der erste internationale Wettbewerb in zwei Jahren durch eine Lücke in der Historie blockiert wird.
- Beim Verkauf an einen internationalen Käufer ist eine vollständige FEI-Impfhistorie wertvoll, auch wenn Sie das Pferd selbst nie auf FEI-Niveau geritten sind. Ein deutscher, italienischer oder französischer Käufer schaut heute auf die FEI HorseApp, nicht nur auf den niederländischen Pass.
Auf der KNHS-Website wird zudem gewarnt, dass sich die KNHS-Regeln in Zukunft der FEI-Systematik annähern könnten. Wer jetzt schon digital arbeitet, muss später nicht von vorne anfangen.
Häufig gemachte Fehler in der Praxis
In den ersten Monaten des Jahres 2026 sehen Tierärzte und Händler immer wieder dieselben Fehler:
- Der Eigentümer denkt, dass ein guter FEI-Pass ausreicht. Das stimmte 2025, aber nicht mehr.
- Der Tierarzt wartet einige Tage mit der Eingabe. Ein Eintrag von „gestern“ ist akzeptabel; ein Eintrag von letzter Woche führt zu Fragen bei der Wettkampfkontrolle.
- Es gibt einen impfenden Tierarzt in der Papierverwaltung, der kein FEI- oder Vaccination-Vet-Konto hat. Der Eintrag erscheint dann technisch nicht in der App, egal wie sorgfältig die Impfung selbst durchgeführt wurde.
- Eigentumsübertragung und Booster fallen nicht in dieselbe Woche. Das Pferd wechselt den Eigentümer, der neue Eigentümer ist noch nicht PR, und in dieser Lücke fällt der Booster, den er eigentlich gerade setzen lassen wollte.
Allesamt Fehler, die nicht mehr um Zucht oder Zuchtbuch gehen – sondern um administrative Disziplin.
Häufig gestellte Fragen
Gilt das FEI Impfmodul auch für Ponys und Fohlen?
Ja, für jedes Pferd oder Pony mit einem FEI-Pass, das an FEI-Wettbewerben startet. Für Fohlen und junge Pferde ohne FEI-Pass spielt es erst eine Rolle, sobald Sie diesen Pass beantragen – meistens, wenn das Pferd international in Erscheinung tritt.
Mein Pferd hat nur einen KNHS-Pass. Muss ich jetzt handeln?
Nicht direkt. KNHS-Impfregeln (jährlicher Booster, Grundimmunisierungsschema) bleiben maßgeblich für nationale Wettbewerbe. Ratsam ist jedoch: Bewahren Sie Chargennummern und Daten digital auf, damit Sie später schnell umsteigen können, wenn das Pferd international starten soll – oder Sie es an einen ausländischen Käufer verkaufen.
Kann ich ein Sportpferd mit einem unvollständigen FEI-Profil kaufen?
Ja, aber dann zu Ihren Bedingungen. Machen Sie die Ergänzung der FEI HorseApp zu einer auflösenden Bedingung im Kaufvertrag und vereinbaren Sie ein Enddatum. Gelingt es dem Verkäufer nicht, die Historie rechtzeitig in Ordnung zu bringen, können Sie den Kauf auflösen oder eine Preisanpassung erzwingen.
Was, wenn mein früherer Tierarzt kein FEI-Konto anlegen möchte?
Fragen Sie, ob ein Kollege desselben Tierarztpraxis die Einträge basierend auf dem Papierakt eingeben kann, oder ziehen Sie einen Tierarzt mit einem aktiven FEI-Konto hinzu. Einige Pferdekliniken haben hierfür bereits eine Standardprozedur – fragen Sie ruhig explizit danach.
Ändert sich dadurch die Ankaufsuntersuchung?
Die Ankaufsuntersuchung selbst (klinisch, Röntgen, GGW-Bilder) ändert sich nicht. Es gehört jedoch 2026 standardmäßig dazu, dass der Tierarzt oder der Käufer bestätigt, dass die FEI HorseApp-Impfhistorie vollständig ist – faktisch eine administrative Überprüfung neben dem medizinischen Bericht. Wir haben die Ankaufsuntersuchung selbst bereits ausführlich in So lesen Sie den Untersuchungsbericht behandelt.
Fazit
Das FEI Impfmodul ist kein neuer Impfstoff und keine zusätzliche Impfung – es ist eine neue administrative Ebene zusätzlich zu dem, was Tierärzte und Eigentümer bereits getan haben. Aber gerade weil es „nur Verwaltung“ ist, wird es im Sportpferdehandel am häufigsten übersehen. Für Käufer ist es 2026 ein zusätzlicher Prüfpunkt vor der Unterschrift; für Verkäufer ist es ein Verkaufsargument, das kein Geld kostet und bei internationalen Käufern Vertrauen weckt.
Wer jetzt (Mai 2026) seine FEI-Profile in Ordnung bringt – Impfhistorie vollständig, Tierarzt FEI-verknüpft, Eigentum aktuell – wird im Sommer keine Probleme haben.
Bereit für den nächsten Schritt? Sehen Sie sich die aktuellen FEI-tauglichen Sportpferde auf SportHorses.de an oder bieten Sie Ihr eigenes Sportpferd zum Verkauf an und zeigen Sie in Ihrer Anzeige, dass das FEI-Profil stimmt.